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Warum ist Obst und Gemüse oft in Plastik verpackt?

Warum wird Obst und Gemüse oft nur verpackt angeboten? Welchen Nutzen haben Verpackungen? Und wie lassen sich die Abfallberge reduzieren?

Beim Obst- und Gemüsekauf fallen oft erhebliche Mengen Verpackungsmaterial an.
Quelle: ARISA THEPBANCHORNCHAI via Getty Images

Gemüseeinkauf im Supermarkt. Fürs abendliche Kochen werden benötigt: zwei Tomaten, eine Zwiebel, eine Paprika, eine Zucchini und eine Handvoll Champignons. Im Einkaufskorb liegen später: je 250 Gramm Tomaten und Champignons in Kunststoffschalen, ein Kilo Zwiebeln im Kunststoffnetz, ein Dreierpack Paprika im Folienschlauch sowie ein Dreierpack Zucchini, zusammengehalten durch eine Kunststoffbanderole.

Im Ergebnis sind nach dem Essen nicht nur die Bäuche, sondern auch der Mülleimer gut gefüllt. Obendrein ist ein Haufen Gemüse übriggeblieben.

Obst und Gemüse überwiegend verpackt verkauft

Natürlich kann man Obst und Gemüse auch einzeln und unverpackt kaufen, die Regel ist das jedoch nicht. 68 Prozent des Gemüses, das 2016 in Deutschland an Privathaushalte verkauft, war laut einer Studie des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) vorverpackt. Obst war zu 59 Prozent nur mit Verpackung erhältlich. Dadurch fielen 2016 ingesamt 93.000 Tonnen Verpackungsabfälle an, darunter rund 58.500 Tonnen aus Kunststoff. Auch Stichproben der Verbraucherzentrale Hamburg im Jahr 2019 ergaben keine grundlegende Veränderung: Fast zwei Drittel aller Tomaten, Möhren, Paprika, Gurken und Äpfel war nur in Kunststoffverpackung erhältlich.

Angesichts endlicher Ressourcen und wachsender Abfallberge fragen sich immer mehr Verbraucherinnen und Verbrauchen: Geht es nicht auch ohne Plastik? Oder ganz ohne Verpackung?

Verpackungen – eine Komfortfrage

Himbeeren verderben rasch, aus Handelssicht zählt daher jeder Tag längere Haltbarkeit.
Quelle: gerenme via Getty Images

Verpackungen erfüllen oft gleich mehrere Zwecke. Sie können über das Produkt informieren, beispielsweise über Inhalt und Gewicht, die Herkunft, eine etwaige Mindesthaltbarkeit sowie über Zertifizierungen wie das staatliche Bio-Siegel, die Mitgliedschaft in einem Anbauverband oder Gütesiegel des Fairen Handels.

Sie sind Werbemittel und dienen dazu, besondere Verkaufsmerkmale herauszustellen und Marken zu prägen.

Sie können, je nach Verpackungstyp, die Haltbarkeit verlängern, indem sie unter anderem

  • die Produkte vor Druckstellen bewahren (Beispiel: Äpfel in der Nestpack-Einlage, Nashi-Birnen im Schaumstoffstrumpf)
  • die Verdunstung reduzieren (Beispiel: Salatgurke in Schrumpffolie)
  • die Feuchtigkeit in der Verpackung regulieren und dadurch beispielsweise Schimmelbildung vorbeugen (Beispiel: Himbeeren in Kunststoffschale mit saugfähiger Einlage)
  • das Reifegas Ethylen binden. Sogenannten Ethylenabsorber wie Kaliumpermanganat oder Aktivkohle können direkt in die Verpackung integriert werden. (Beispiel: Beerenobst)
  • eine für das jeweilige Produkt optimale Atmosphäre ermöglichen. Bei diesem sogenannten Modified Atmosphere Packaging (MAP) wird der Kohlendioxidgehalt der Luft in der Folienverpackung erhöht und der Sauerstoffgehalt auf diese Weise gesenkt. Gleichzeitig wird ein optimaler Gasaustausch mit der Umgebungsluft ermöglicht, damit die einmal eingestellte Atmosphäre im Gleichgewicht bleibt. (Beispiel: Salatmischungen)

Vorteile oder Nachteile? 

Netze verbrauchen weniger Material als Kunststoffbeutel oder -schalen, ihr einziger Zweck besteht jedoch darin, Verkaufseinheiten mit einem bestimmten Gewicht oder einer bestimmten Anzahl von Produkten zu bilden.
Quelle: Hemera Technologies via Getty Images

Was bei Verpackungen als Vor- oder Nachteil gilt, hängt oft vom Standpunkt ab.

Vorverpackte Einheiten von Obst oder Gemüse etwa können aus Verbrauchersicht bequem und zeitsparend sein – ein Griff und 1,5 Kilogramm Kartoffeln liegen im Einkaufswagen. Oder aber lästig, wenn man dadurch gezwungenermaßen mehr kauft, als eigentlich benötigt wird. Kleinere Gebinde würden das vermeiden, allerdings noch mehr Verpackungsmüll produzieren.

Früchte und Gemüse, die dank cleverer Verpackungen länger haltbar sind, können die Vorratshaltung und damit den Alltag erleichtern und Lebensmittelverschwendung verringern. Sie können den Anteil weggeworfener Produkte aber auch erhöhen, weil mehr gekauft wird als notwendig. Sind einzelne Früchte einer größeren Verpackungseinheit nicht mehr verkaufsfähig – etwa eine von sechs Orangen im Netz – muss im Handel zudem die ganze Einheit vernichtet werden.

Wunsch nach weniger und effizienteren Verpackungen

Seit einiger Zeit hat hierzulande in puncto Verpackungen spürbar ein Umdenken eingesetzt, bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ebenso wie in Politik, auf Erzeugerseite und im Lebensmittelhandel. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher möchten Obst und Gemüse unverpackt kaufen oder erwarten zumindest möglichst umwelt- und ressourcenschonende Verpackungen.

Da der ökologische Fußabdruck eines Produkts von vielen verschiedenen Faktoren abhängt, ist es allerdings oft gar nicht so leicht, die sinnvollste Variante herauszufinden. Was ist besser, ein unverpackter Apfel aus Neuseeland oder der mit Folie ummantelte Sechserpack aus Deutschland? Die regionalen unverpackten Bundmöhren, oder die Bio-Waschmöhren im Folienbeutel?

Der Dreiklang "regional, saisonal, bio" ist in der Regel eine gute Richtlinie. Gleichzeitig sind zum Beispiel gerade biologisch wirtschaftende Betriebe darauf angewiesen, dass ihre Produkte auch als solche erkennbar sind.

Ein Ziel – verschiedene Trends

Auf dem Markt oder im Hofladen gibt es Obst und Gemüse meist unverpackt.
Quelle: Dominic Menzler - BLE

Dem Ziel, auch beim Thema Verpackung ressourcenschonend zu wirtschaften, kann man sich auf unterschiedliche Art und Weise nähern. Das zeigen die folgenden Trends:

1. Ressourcenschonende Materialien

Kunststoffverpackungen wird es auch weiterhin geben, voraussichtlich auch im Bereich Obst und Gemüse. Sind Kunststoffverpackungen möglichst sortenrein produziert, können sie jedoch zumindest ohne Qualitätsverluste recycelt werden.

Eine wichtige Rolle wird mittelfristig Verpackungen aus biobasierten Kunststoffen zugesprochen, die derzeit noch an ihrer unzureichenden Kompostierbarkeit kranken. Mais, Zuckerrohr, Weizen, Gras, Algen, Tomatenschalen, Kasein aus nicht mehr verwertbarer Rohmilch... – an möglichen Roh- und Reststoffen sowie Ideen mangelt es schon heute nicht.

Bei der Einschätzung, ob Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen sortenreinen Kunststoffen überlegen sind, muss allerdings die Ökobilanz im Ganzen betrachtet werden, vom Verbrauch von Wasser, Energie, Dünger und Pflanzenschutzmitteln bis zu Herkunft und Flächenbedarf. Denn für nachwachsende Rohstoffe intakte Wälder zu roden oder Moore zu entwässern und mit Monokulturen zu überziehen, wäre wenig zielführend.

2. Reduzierte Verpackung

Auf komplette Umverpackungen wird verzichtet, wichtige Informationen wie das Bio-Siegel werden nur auf Papierbanderolen oder Aufkleber gedruckt oder prangen etwa bei Beerenobst auf Schalen aus Pappe. Für Obst- und Gemüsearten mit ausreichend fester Schale kommt auch das "Natural Branding" in Frage. Dabei werden die gewünschten Informationen mithilfe eines Lasers eingebrannt, ohne die Frucht selbst zu beschädigen. Kürbisse, Gurken und Süßkartoffeln, Ingwer und Kiwis, Mangos, Melonen und Zitrusfrüchte könnten auf diese Weise gekennzeichnet werden.

3. Gar keine Verpackung

Auf dem Wochenmarkt und in Hofläden, in Bio-Supermärkten und Unverpackt-Läden werden frisches Obst und Gemüse überwiegend oder ganz unverpackt angeboten. Auch gründen sich zurzeit immer mehr genossenschaftlich organisierte Betriebe, die ihre Mitglieder auch über zentrale Lager in den Stadtteilen versorgen. Die jeweiligen Ernteanteile werden in Pfandkisten gepackt und/oder in mitgebrachte Kisten, Stoffbeutel oder andere Mehrwegbehälter umgepackt.


Weitere Informationen

Naturschutzbund Deutschland (NABU): Vorverpackungen bei Obst und Gemüse (PDF)

Verbraucherzentrale Hamburg: Plastikflut bei Obst und Gemüse

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Verpackungsmüll vermeiden – Nachhaltige Alternativen beim Einkauf wählen

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Saisonzeiten bei Obst und Gemüse


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