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Antibiotika in der Nutztierhaltung

Antibiotika sind für Menschen und Tiere unverzichtbar. Werden sie falsch eingesetzt, kann das aber zu Problemen führen.

Medikamentenschrank eines Tierarztes
Tierärzte dürfen eine eigene Hausapotheke führen.
Quelle: landpixel.de

In den Medien ist häufig die Rede von multiresistenten Keimen. Das sind Bakterien, die unempfindlich gegenüber gewissen Antibiotika sind. Dadurch können Medikamente bei erkrankten Menschen oder erkrankten Tieren ihre Wirkung verlieren.

Allein in Europa sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich mehr als 33.000 Menschen in Folge einer Antibiotikaresistenz.

Was sind Reserveantibiotika?

Die meisten der heute verwendeten Antibiotika wurden schon vor mehr als 20 bis 30 Jahren zugelassen. Manche Bakterien konnten über die Jahre Resistenzen gegen einige dieser Antibiotika entwickeln. Um einen Schutz auch gegen solche resistenten Bakterien gewährleisten zu können, werden laufend neue antibiotische Wirkstoffe entwickelt, gegen die diese Erreger noch nicht resistent sind. Solche Antibiotika werden auch Reserveantibiotika genannt. Sie sollen bei der normalen Therapie von Infektionskrankheiten nicht genutzt werden, um die Resistenzbildung so lange wie möglich zu vermeiden.

Ein zu sorgloser Umgang mit Antibiotika sowohl in der Humanmedizin als auch in der landwirtschaftlichen Tierhaltung in den vergangenen Jahrzehnten hat zur Ausbreitung solcher Resistenzen beigetragen. Daher wurden und werden die Bemühungen verstärkt, Antibiotika sparsamer und gezielter einzusetzen.

Wie werden Antibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt?

Vorrangiges Ziel in der landwirtschaftlichen Tierhaltung ist es, Krankheiten durch bestmögliche Haltungsbedingungen und Hygiene zu vermeiden. Darüber hinaus wird auch in der Tierzüchtung darauf geachtet, Tiere mit geringer Krankheitsanfälligkeit zu züchten. Antibiotika dürfen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung nur zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden und nicht vorbeugend.

Strenge Vorschriften

Für den Einsatz von Medikamenten (nicht nur Antibiotika) bei lebensmittelliefernden Tieren gibt es strenge Vorschriften. Denn anders als bei Hobbytieren kann es zu Arzneimittelrückständen in den Lebensmitteln kommen. Daher muss der Einsatz umfangreich dokumentiert werden. Außerdem gibt es für alle Medikamente Wartezeiten, die nach der letzten Medikamentengabe einzuhalten sind, ehe Fleisch, Milch und Eier wieder als Lebensmittel verkauft werden dürfen.

Was wird getan, um den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu reduzieren?

Die „Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln“ bilden die Richtschnur für die Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung. Sie wurden im Jahr 2000 erstmals veröffentlicht und liegen seit 2015 in der dritten Auflage vor. Ihnen zufolge soll beispielsweise bei wiederholtem oder längerfristigem Einsatz von Antibiotika der Erreger nachgewiesen werden. Auch soll im Labor eine Arzneimittelempfindlichkeitsprüfung erstellt werden – ein sogenanntes Antibiogramm. 

Seit dem 2. Februar 2018 ist dies auch gesetzlich festgeschrieben. Die neuen Regeln für die tierärztliche Hausapotheke schreiben unter bestimmten Voraussetzungen die Erstellung eines solchen Antibiogramms vor, um zu prüfen, welches Antibiotikum gegen die krankheitsverursachenden Bakterien wirksam ist.

Tierärztliche Hausapotheke

Anders als in der Humanmedizin dürfen Tierärztinnen und -ärzte eine eigene Apotheke führen und Arzneimittel an Tierbesitzer verkaufen. Allerdings nur die jeweils erforderliche Arzneimittelmenge für eine bestimmte Erkrankung und nicht auf Vorrat.

Die wichtigste Säule der Minimierungsstrategie der Bundesregierung ist das am 1. April 2014 in Kraft getretene Antibiotika-Minimierungskonzept der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG). Damit soll der Verbrauch von Antibiotika in der Nutztierhaltung auf das therapeutisch unverzichtbare Mindestmaß verringert werden. Jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Rinder, Schweine, Hühner oder Puten mästet, muss halbjährlich melden, wie häufig er Antibiotika bei seinen Tieren einsetzt. Diese Daten werden in der zentralen staatlichen HIT-Datenbank  gesammelt. 

Aus diesen Daten ermittelt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) deutschlandweit gültige Kennzahlen über den Antibiotikaeinsatz. Es werden statistische Durchschnittswerte berechnet und die 25 Prozent der Betriebe, die deutschlandweit am meisten Antibiotika eingesetzt haben, verpflichtet, gemeinsam mit Ihrer Tieräztin oder ihrem Tierarzt beim Veterinäramt einen schriftlichen Plan einzureichen, mit welchen Maßnahmen sie den Einsatz von Antibiotika in Zukunft reduzieren wollen. 

Wie hat sich der Antibiotikaverbrauch entwickelt? 

Alles diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, den Antibiotikaverbrauch in der Nutztierhaltung zu verringern. So sank die Gesamtverbrauchsmenge an Antibiotika zwischen Juli 2014 und Dezember 2017 um 31,6 Prozent. Die stärkste Reduktion wurde bei Schweinen erreicht: Bei Mastferkeln um 46 Prozent, bei Mastschweinen um 43 Prozent.

Deutlich geringer ist der Rückgang der Antibiotika-Verbrauchsmengen bei Mastgeflügel und Mastkälbern: Bei Mastputen und Mastkälbern ist der Verbrauch lediglich um vier Prozent, bei Masthühnern sogar nur um ein Prozent zurückgegangen. Auch der Umfang des Einsatzes von Reserveantibiotika (siehe Infokasten), ist noch zu hoch. Er beträgt bei Mastputen und Mastrindern rund 40 Prozent des Gesamtverbrauchs. Hier besteht noch deutlicher Verbesserungsbedarf.


Weitere Informationen:

Praxis-agrar.de: Richtig umgehen mit Tierarzneimitteln

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL): Antibiotika in der Landwirtschaft

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Programme und Maßnahmen zur Begrenzung von Antibiotikaresistenzen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Antibiotikaresistenz