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Möhren

Möhren sind das zweitbeliebteste Gemüse der Deutschen und fast das ganze Jahr aus regionalem Anbau erhältlich.

Möhren gehören in Deutschland zu den beliebtesten Gemüsearten.
Quelle: MC_Noppadol via Getty Images

In Sachen Beliebtheit werden Möhren in Deutschland nur noch von der Tomate übertroffen: Der Möhrenverbrauch liegt bei rund zehn Kilogramm pro Kopf und Jahr . Im Jahr 2018 wurden in Deutschland auf einer Fläche von 12.955 Hektar insgesamt 625.357 Tonnen Möhren geerntet. 83.781 Tonnen stammten dabei aus dem Ökologischem Landbau, angebaut auf einer Fläche von 2.181 Hektar.  Flächenmäßig führend sind Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, Möhrenfelder finden sich aber in ganz Deutschland.

Karotte, Mohrrübe, Wurzel oder Gelbe Rübe?

Daucus carota ssp. sativus lautet der lateinische Name der Gemüseart, die im Deutschen eine Vielzahl von Namen trägt. Die in Nord- und Nordwestdeutschland noch geläufige Bezeichnung "Wurzel" deutet, ebenso wie die im Nordosten gebräuchliche "Mohrrübe" und die im Süden anzutreffende "Gelbe Rübe", schon darauf hin, welchen Teil der Pflanze wir eigentlich nutzen – die verdickte Speicherwurzel, botanisch "Rübe". Aber wieso eigentlich "gelbe Rübe"?

Möhren gibt es in vielen verschiedenen Farben.
Quelle: Wildroze via Getty Images

Karotten stammen ursprünglich aus dem Gebiet, das heute Afghanistan, Pakistan und den Iran umfasst. Als sie im 10. Jahrhundert n. Chr. erstmals in Kultur genommen wurden, waren die Wurzeln dieser "Ur-Möhren" gelb oder violett. Heute dominieren orangefarbene Sorten ganz klar den Markt, doch der Name "Gelbe Rübe" hat sich in einigen Regionen gehalten.

Möhre spitz & lang – Karotte rund & kurz

Umgangssprachlich werden die Bezeichnungen Möhre und Karotte synonym verwendet. In der Produktion und im Verkauf hingegen werden Sorten, die eher rundliche, kurze und dicke Rüben bilden, als Karotten bezeichnet, Sorten mit länglichen, walzenförmigen bis spitzen Rüben hingegen als Möhren.

Sortenbezeichnungen fand man lange Zeit höchstens auf dem Wochenmarkt oder im Bio-Sortiment. Da aber das Verbraucherinteresse an alten und ungewöhnlichen Gemüsesorten seit einigen Jahren steigt, finden sich mittlerweile auch in manchem Supermarkt wieder Sorten, die optisch an die "Ur-Möhren" anknüpfen. Die beliebte violett-orangefarbene Sorte "Purple Haze" ist solch ein Beispiel, bei ihr handelt es sich allerdings um eine moderne F1-Hybride, die durch gezielte Rückkreuzungen mit violetten Ur-Möhren entstand.

Wie werden Möhren angebaut?

Der Dammanbau ermöglicht es, Möhren auch auf schwereren Böden zu kultivieren.
Quelle: Avalon_Studio / Getty Images

Tausend Möhrensamen wiegen gerade mal 0,8 bis 1,5 Gramm. Damit die feinen, ein bis drei Zentimeter tief gesäten Samen gut aufgehen und möglichst einheitliche, gerade Rüben bilden, benötigen sie einen gut vorbereiteten, feinkrümeligen und ausreichend nährstoffhaltigen Boden. In Sandböden oder sandigen Lehmböden gedeihen sie am besten.

Auf schwereren Böden ist die Kultur ebenfalls möglich, allerdings werden die Möhren dort auf Dämmen angebaut. Diese erwärmen sich schneller und trocknen auch rascher ab. Mit entsprechenden Maschinen werden in einem Schritt die Dämme angelegt und die Möhrensamen ausgebracht.

Der Abstand der Samenkörner zueinander wird präzise gesteuert und beträgt 1,5 bis 4 Zentimeter – frühe und mittelfrühe Sorten werden enger gesät, Lagermöhren weiter. Auch der Reihenabstand richtet sich nach der zu erwartenden Größe und variiert daher zwischen 25 und 50 Zentimetern beziehungsweise zwischen 45 und 75 Zentimetern Dammabstand.

Hätten Sie's gewusst?

Bei den sogenannten Snackmöhren handelt es sich um frühe, schlanke, zarte und süß schmeckende Sorten, die aus extremer Dichtsaat gewonnen werden.

Bei den als Babymöhren in Vorverpackungen oder Konserven angebotenen Minis handelt es sich meist um Möhren, die maschinell auf eine mundgerechte Größe zurechtgeschnitten wurden. Als Grundlage dienen Sorten wie "Imperator", mit spitzen, schlanken Rüben und besonders süßem Geschmack.

Während der Kultur müssen die Gemüseproduzentinnen und -produzenten vor allem auf eine gleichmäßige Wasserversorgung achten und Unkraut in Schach halten. Letzteres geschieht maschinell sowie mithilfe von Herbiziden, im Ökologischen Landbau maschinell und in Handarbeit.

Außerdem werden die heranwachsenden Möhren im Kulturverlauf mehrfach angehäufelt; es wird also beidseitig Erde in Richtung des sprießenden Krauts geschoben. Aufkeimendes Unkraut wird dadurch verschüttet und zudem "grünen Köpfen" im Bereich des Krautansatzes vorgebeugt. Die Grünfärbung entsteht durch Sonneneinstrahlung und ist gesundheitlich unbedenklich, grüne Köpfe gelten aber als geringfügiger Mangel, weil die verfärbten Stellen bitter schmecken können.

Wie werden Möhren geerntet?

Es gibt Bund-, Wasch- und Lagermöhren. Bundmöhren besitzen noch das grüne Kraut und werden meist maschinell, zum Teil aber auch in aufwändiger Handarbeit geerntet und dann bündelweise angeboten, daher der Name. Frühe Möhrensorten werden überwiegend als Bundmöhren vermarktet und eröffnen die heimische Saison etwa Mitte Mai, nachdem sie 80 bis 100 Tage auf dem Feld verbracht haben.

Der Vorteil für Verbraucherinnen und Verbraucher: Am Zustand der Blätter lässt sich gut erkennen, wie frisch die Möhren sind. Nach dem Kauf sollte das Kraut aber umgehend entfernt werden, da es sonst Wasser und Nährstoffe aus den Rüben zieht, und diese dadurch schneller schrumpeln.

Der Klemmbandroder zieht die Möhren an ihrem Schopf aus der Erde.
Quelle: landpixel.de

Waschmöhren und Lagermöhren werden mit einem sogenannten Klemmbandroder geerntet. Diese Maschine zieht die Möhren bequem am Schopf aus der Erde, indem sie ihr Laub zwischen zwei geriffelten Gummibändern einklemmt – und danach meist auch direkt abschlägt.

Waschmöhren werden überwiegend schalen- oder beutelweise angeboten. Sie bringen in der Regel deutlich mehr Einzelgewicht auf die Waage als Bundmöhren. Die Rüben werden unmittelbar nach der Ernte maschinell gewaschen und poliert und anschließend nach Größe und Optik sortiert. Gebrochene, anderweitig beschädigte oder sehr krumme Exemplare werden aussortiert, finden meist aber noch als Futtermöhren oder für die Saftherstellung Verwendung.

Späte Möhrensorten dienen als Lagermöhren und benötigen eine besonders lange Kulturzeit:

Ab in den Kühlschrank

Möhren sind am besten im Gemüsefach des Kühlschranks aufgehoben. Hier halten sie in der Regel mindestens sieben bis zehn Tage. Prinzipiell können Kunststoffverpackungen die Haltbarkeit noch deutlich verlängern. Hat sich innerhalb der Verpackung jedoch Schwitzwasser gebildet, steigt das Fäulnisrisiko, daher werden Umverpackungen in diesem (sehr häufigen) Fall besser entfernt.

Nach der Aussaat Mitte April bis Mitte Mai nehmen sie sich 150 bis 190 Tage Zeit, um ordentlich an Größe und Gewicht zuzulegen. Vor dem ersten Frost werden sie dann geerntet und ohne Kraut aber mitsamt der anhaftenden Erde in Holzkisten gefüllt. Die Erde dient als Verdunstungsschutz.

Vor dem Verkauf wandern sie aus den (meist gekühlten) Lagerräumen zunächst in die Waschstraße, ehe sie ihren Weg zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern antreten. Dank der Lagermöhren können in Deutschland fast ganzjährig regional produzierte Möhren angeboten werden.

Importierte Ware füllt vor allem im April und Mai entstehende Lücken. Hauptlieferländer hierfür sind die Niederlande, Italien, Spanien, Dänemark, Belgien und Israel.


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