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Piwis: Wein der Zukunft

Pilzresistente Rebsorten, sogenannte Piwis, unterstĂŒtzen einen nachhaltigen Weinbau und liefern qualitativ hochwertige Weine.

Die am Julius KĂŒhn-Institut entwickelte Sorte 'Calardis Blanc' ist eine der neuesten und vielversprechendsten Piwi-ZĂŒchtungen.
Quelle: Julis KĂŒhn-Institut

Schon mal einen "Helios" probiert? Einen "Donauriesling"? Vielleicht einen "Pinot Nova"? Nein? Das dĂŒrfte derzeit noch auf die Mehrzahl der Weinfans zutreffen, könnte sich aber bald schon Ă€ndern. Denn die Weine mit den klangvollen Namen gehören zu einer neuen Generation von Rebsorten, den sogenannten Piwis.

Piwi steht fĂŒr pilzwiderstandsfĂ€hige Weinreben, und die werden mittelfristig immer mehr an Bedeutung gewinnen. Denn "Solaris", "Muscaris", "Johanniter" und eine Reihe weiterer NeuzĂŒchtungen halten nicht nur geschmacklich locker mit gĂ€ngigen Rebsorten mit, sie haben ihnen zudem einige zukunftstrĂ€chtige Eigenschaften voraus.

Was bedeutet pilzwiderstandsfÀhig in der Praxis?

Piwis können dem Echten Mehltau auch ohne Pflanzenschutzmittel trotzen.
Quelle: landpixel.de

Piwis besitzen eine hervorragende WiderstandsfĂ€higkeit gegenĂŒber Echten und Falschen Mehltaupilzen (Erysiphe necator, Plasmopara viticola) und sind oft auch deutlich weniger anfĂ€llig gegen Grauschimmel (Botrytis cinerea). Diese pilzlichen Schaderreger machten bislang den regelmĂ€ĂŸigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau nahezu unverzichtbar – selbst im Bioanbau, wo Winzerinnen und Winzer oft notgedrungen auf die fĂŒr diesen Zweck ganz offiziell zugelassenen Kupferspritzmittel zurĂŒckgreifen mussten.

Werden diese Schadpilze dank robuster Sorten ausgebremst, kann der Spritzmitteleinsatz deutlich verringert werden.

Auch "die Neuen" besitzen zwar keine vollstĂ€ndigen Resistenzen gegenĂŒber den Schaderregern; sie sorgen aber dafĂŒr, dass sich der Befall in engen Grenzen hĂ€lt und weder den Ertrag noch die TraubenqualitĂ€t gefĂ€hrdet.

Dabei bedienen sich die Reben eines cleveren Mechanismus: Wo es Mehltausporen gelungen ist, auf den BlÀttern auszukeimen, lassen die Pflanzen die befallenen Zellen gezielt absterben. Dabei gehen auch die auskeimenden Pilzsporen zugrunde.

Gegen Grauschimmel sind die Weinneulinge aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften ebenfalls gut gewappnet: Die meisten Piwis bilden locker aufgebaute Trauben mit kleineren EinzelfrĂŒchten, die nach NiederschlĂ€gen rasch abtrocknen. Das erschwert es den feuchtigkeitsliebenden Pilzsporen, sich anzusiedeln. Zudem besitzen viele Piwis eine besonders feste Beerenhaut – eine wirkungsvolle mechanische Barriere.

Wie funktioniert die ZĂŒchtung?

Mann fĂŒllt Rotwein aus einem Edelstahltank in ein Glas.
Bis eine Piwi-ZĂŒchtung auch in Sachen Geschmack und Ertrag ĂŒberzeugt, vergehen mehrere Jahrzehnte.
Quelle: Morsa Images via Getty Images

Schon beim Kampf gegen die Reblaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwiesen sich wilde, aus Amerika und Asien stammende Rebarten als Retter in der Not. So auch diesmal, beim Kampf gegen die Schadpilze.

Bis zur Marktreife einer neuen Sorte ist es allerdings ein langer Weg:

  • BlĂŒten einer Edelsorte werden zunĂ€chst gezielt mit dem Pollen einer Wildart befruchtet und anschließend mit SĂ€ckchen umschlossen, um einen Kontakt mit unerwĂŒnschtem Pollen zu verhindern.
  • Aus den Kernen der sich bildenden Trauben werden Pflanzen herangezogen, die nach einigen Jahren wiederum die ersten FrĂŒchte tragen.
  • Leider erben die NeuzĂŒchtungen von den Wildarten neben den Resistenzgenen auch unerwĂŒnschte Eigenschaften, etwa geringere ErtrĂ€ge oder einen unangenehmen Geschmack. Daher wird nun mehrere Male in Folge eine RĂŒckkreuzung mit der Edelsorte vorgenommen – die BlĂŒten der NeuzĂŒchtung werden also jeweils mit Pollen der Edelsorte bestĂ€ubt.
  • Nach den RĂŒckkreuzungen sind etwa 15 bis 20 Jahre vergangen und die unangenehmen Geschmacksanteile im Idealfall weitgehend verschwunden. Auch die Ertragsleistung stimmt mittlerweile. Nun braucht es aber nochmals etwa 25 Jahre ZĂŒchtungsarbeit, um aus den Nachkommen die besten auszuwĂ€hlen, die das Potenzial fĂŒr eine neue Sorte haben.

Seit wann gibt es Piwis?

Frostschutzkerzen brennen nachts in einem Weinberg
Frostschutzkerzen sollen SchĂ€den durch SpĂ€tfröste verhindern. SpĂ€tblĂŒhende Piwis wĂŒrden das Problem zeitlich umgehen.
Quelle: ZU_09 via Getty Images

FlĂ€chenmĂ€ĂŸig am Weitesten verbreitet ist die Ă€lteste Piwi-Sorte: ’Regent‘. Sie entstand 1967 am Institut fĂŒr RebenzĂŒchtung des Julius KĂŒhn-Instituts (JKI) und erhielt 1994 Sortenschutz. Recht bekannt sind mittlerweile auch die Sorten "Cabernet blanc" (gekreuzt 1991, Sortenschutz 2008) und "Souvignier gris" (gekreuzt 1983, Sortenschutz 2012).

Aufgrund des langen ZĂŒchtungszeitraums wird lĂ€ngst schon an der dritten Generation Piwis gefeilt. Zu den ZĂŒchtungszielen gehört neben einer hervorragenden Pflanzengesundheit nun auch eine spĂ€te BlĂŒtezeit als Anpassung an den Klimawandel. Denn milde Winter und hohe FrĂŒhjahrstemperaturen fĂŒhren vielerorts dazu, dass die Rebstöcke frĂŒher austreiben und blĂŒhen. Entsprechend werden sie dann umso stĂ€rker geschĂ€digt, wenn SpĂ€tfröste auftreten, denn die wiederum haben sich zeitlich nicht verschoben.

Wer baut Piwis an?

Piwis sind fĂŒr konventionell wirtschaftende Betriebe grundsĂ€tzlich genauso interessant wie fĂŒr Bio-Betriebe: Wer seltener und weniger Pflanzenschutzmittel ausbringen muss, spart Zeit und Geld.

Bislang kommen Piwis allerdings nur auf rund drei Prozent der AnbauflĂ€che in Deutschland zum Einsatz. Der Grund liegt in der Vermarktungssituation: Die Piwi-Sorten sind schlicht noch zu unbekannt und die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher greifen automatisch zu den bekannten Sorten. Das bedeutet fĂŒr die anbauenden Betriebe ein Risiko, das viele noch scheuen.

Besonders groß ist das Interesse an Piwis bei den Bio-Winzerinnen und Winzern. Sie können in der Regel einen anderen Kundenstamm bedienen und mit einem gesteigerten Interesse an den Anbau- und Produktionsprozessen rechnen. Doch auch konventionelle Weinbau-Betriebe zeigen sich zunehmend interessiert.

Verbraucherinnen und Verbraucher können aktiv dazu beitragen, den ökologisch sinnvollen Anbau von Piwis voranzubringen, indem sie bei den WeingĂŒtern und Weinhandlungen ihres Vertrauens gezielt nach entsprechenden Weinen fragen.


Weitere Informationen

Zukunft-weinbau.de: Was sind pilzwiderstandsfÀhige Rebsorten?


Helferin schĂŒttet ihre geernteten Trauben aus.

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