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Gibt es in Deutschland eine "Vermaisung" der Landschaft?

Mais ist als Nutzpflanze für die Landwirtschaft nahezu unverzichtbar. Ist der Erfolg der Pflanze ein Problem für die Umwelt?

Auf knapp 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland wächst Mais.
Quelle: feelife via Getty Images

Wer im Sommer und Herbst in ländlichen Regionen unterwegs ist, bekommt schnell den Eindruck, dass auf den meisten Äckern Mais angebaut wird. Seit längerem spricht man deshalb schon von einer "Vermaisung" der Landschaft. Gefühlt nimmt der Maisanbau immer weiter zu. Aber stimmt das wirklich? Ist Mais grundsätzlich problematisch für die Umwelt? Und warum bauen Betriebe in ganz Deutschland eigentlich so viel Mais an?

Der Blick auf die Entwicklung der Anbauflächen für Mais zeigt tatsächlich einen steten Anstieg, seitdem die Kultur Mitte der 50er Jahre in Deutschland eingeführt wurde. Während die Pflanze 1960 mit etwa 56.000 Hektar noch eine Nischenkultur war, entwickelte sie sich bis heute zur zweitwichtigsten Kultur nach Weizen. So wurde Mais im Jahr 2020 auf über 2,7 Millionen Hektar angebaut (Weizen ca. 3,1 Millionen Hektar).

Maisanbaufläche in Deutschland in Hektar, 1960-2020
1960 56
1970 407
1980 813
1990* 1.597
2000 1.516
2010 2.295
2020** 2.721
Quelle: Destatis, DMK
* ab 1990 Deutschland gesamt
** vorläufig

Perfekte Futterpflanze

Diese Entwicklung erklärt sich vor allem dadurch, dass Mais für die Landwirtschaft eine nahezu perfekte Kultur ist. Sie ist vielseitig nutzbar, liefert überdurchschnittliche Erträge, viel Energie und lässt sich aufgrund intensiver Züchtung auch in ungünstigen, kühleren Lagen sicher anbauen, obwohl sie ursprünglich aus den Tropen stammt.

Während Mais in vielen weniger entwickelten Ländern ein wichtiges Nahrungsmittel ist, dient die Pflanze in Deutschland nahezu ausschließlich als Tierfutter oder als Substrat für die Erzeugung von Strom aus Biogasanlagen. Etwa 85 Prozent werden als sogenannter Silomais geerntet.
Dabei zerkleinert man die komplette Pflanze (Häckseln) und macht sie durch eine Milchsäuregärung unter einer luftdichten Folie als Silage haltbar. Maissilage wird zur Rinderfütterung oder für Biogasanlagen eingesetzt.

Die restlichen 15 Prozent werden als Körnermais beziehungsweise Corn-Cob-Mix – eine Mischung aus der Spindel und den Körnern des Maiskolbens – geerntet und für die Geflügel- und Schweinefütterung genutzt.

Hohe Energiegehalte sichern hohe Tierleistung

In der Milchviehfütterung ermöglicht der Einsatz von Maissilage hohe Milchleistungen.
Quelle: Jürgen Beckhoff

Der große Vorteil von Maissilage in der Fütterung von Milchkühen und Bullen ist der hohe Energiegehalt, der im Schnitt bis zu 20 Prozent höher liegt als bei Grassilage. Dadurch lässt sich mit der gleichen Futtermenge mehr Milch beziehungsweise ein höherer Fleischansatz erzielen. Aus dem gleichen Grund ist Maissilage auch das wichtigste pflanzliche Substrat für den Betrieb von Biogasanlagen.

Auch pflanzenbaulich bietet Mais viele Vorteile. Durch die intensive Züchtungsarbeit und die zahlreichen verfügbaren Sorten liefert die Kultur an fast allen Standorten verlässlich hohe Erträge, auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen. Von der Saat bis zur Ernte und dem Einsilieren ist der Anbau zudem komplett durchmechanisiert. Das heißt, auch große Flächen lassen sich mit geringem Arbeits- und Zeitaufwand managen.

Auf knapp einem Viertel der Ackerflächen wächst Mais

Saat, Ernte und Silierung sind beim Mais komplett durchmechanisiert.
Quelle: Landpixel.de

Diese Vorteile haben dazu geführt, dass Mais inzwischen etwa auf knapp einem Viertel der Ackerflächen in Deutschland angebaut wird. Allerdings gibt es deutliche regionale Unterschiede. In Regionen, in denen Mais als Futtermittel für die intensive Nutztierhaltung benötigt wird, liegt der Flächenanteil deutlich höher.

Das gilt zum Beispiel für Landkreise in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Bayern, wo inzwischen auf beinahe der Hälfte der Flächen Mais wächst. In vielen Mittelgebirgsregionen und klassischen Grünland- und Ackerbaugebieten spielt Mais dagegen eine untergeordnete Rolle.

Bei einem Flächenanteil von knapp 50 Prozent kann also durchaus der Eindruck entstehen, dass es eine "Vermaisung" in Deutschland gibt. Verstärkt wird diese Wahrnehmung durch die Größe der Pflanzen, die meist schon im Juli eine Höhe von bis zu drei Metern und mehr erreichen und dadurch optisch viel präsenter sind als etwa Getreide, Kartoffeln oder Zuckerrüben.

Wie ökologisch ist der Maisanbau?

Der entscheidende Punkt bei der Frage, ob zu viel Mais angebaut wird, ist jedoch, wie nachhaltig und ökologisch der Anbau im Vergleich zu anderen Nutzpflanzen ist. Hier ist die Bilanz gemischt. Grundsätzlich gilt beim Mais wie bei anderen Kulturen auch, dass ein langjähriger, großflächiger Anbau die Artenvielfalt einschränkt. Betroffen sind Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten auf dem Acker. Das gilt vor allem, wenn ökologisch wertvolles Grünland zugunsten des Maisanbaus umgebrochen wird.

In Verruf geraten ist der Maisanbau, weil die Flächen früher zum Teil übermäßig stark mit Gülle gedüngt wurden. Das führte vor allem in Regionen mit intensiver Tierhaltung teilweise zu erhöhten Nitratwerten im Grundwasser. Durch strengere gesetzliche Regelungen und einen bewussteren Umgang der Betriebe mit der anfallenden Gülle ist dieses Problem jedoch weitgehend gelöst.

Höheres Risiko für Bodenverdichtung und Erosion

Wegen der langsamen Jugendentwicklung bleibt der Boden beim Maisanbau längere Zeit ungeschützt.
Quelle: ryasick via Getty Images

Ein weiterer Nachteil der Kultur ist der Einsatz schwerer Maschinen bei der Ernte. Das führt insbesondere bei feuchten Bedingungen zu Bodenverdichtungen, die die Fruchtbarkeit langfristig beeinträchtigen können. Hinzu kommt, dass der Boden wegen der langsamen Entwicklung der Pflanze nach der Aussaat im Frühjahr relativ lange ungeschützt bleibt. Dadurch erhöht sich das Risiko für Erosion, vor allem bei Starkregen in Hanglagen.

Diese negativen Effekte auf die Artenvielfalt und den Boden verstärken sich dadurch, dass Mais selbstverträglich ist. Das heißt, man kann die Pflanze mehrere Jahre nacheinander auf der gleichen Fläche anbauen, ohne dass die Erträge sinken oder der Aufwand für den Pflanzenschutz steigt. Hier liegt es in der Hand der Betriebsleitung, für einen umweltverträglichen Wechsel bei den angebauten Kulturen zu sorgen.

Vorteile bei Pflanzenschutz und Düngung

Bei Pflanzenschutz und Düngung schneidet Mais dagegen besser ab als viele andere Kulturen. Während zum Beispiel bei Weizen oder Raps mindestens drei bis vier Mal gegen Unkraut und Pilze gespritzt werden muss, genügen bei Mais in der Regel maximal zwei Behandlungen. Bei der Verwertung von Stickstoff gilt die Pflanze zudem als sehr effizient, weshalb nach Einschätzung von Fachleuten bei bedarfsgerechter Düngung keine Gefahr für eine stärkere Nitratbelastung des Grundwassers durch den Maisanbau besteht.

Fazit

Hohe, verlässliche Erträge, ein einfacher Anbau und die vielseitigen Verwertungsmöglichkeiten machen Mais zu einer sehr attraktiven Nutzpflanze in der Landwirtschaft. Diese Vorteile haben in den letzten 60 Jahren zu einer kontinuierlichen Ausweitung der Anbauflächen geführt. Mit einem Anteil von durchschnittlich 20 Prozent an der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist Mais inzwischen nach Weizen die wichtigste Kultur in Deutschland.

Allerdings gibt es große regionale Unterschiede bei der Anbauintensität. In Regionen mit intensiver Tierhaltung findet man Mais auf knapp 50 Prozent der Flächen, in vielen Mittelgebirgslagen und Ackerbaugebieten liegt der Anteil dagegen deutlich unter zehn Prozent. Ob der zunehmende Maisanbau bereits ein Problem für die Umwelt ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Den Nachteilen durch Artenschwund und der Gefahr durch Bodenverdichtung und Erosion steht eine im Vergleich zu anderen Kulturen relativ geringe Intensität an Pflanzenschutzmaßnahmen gegenüber.


Weitere Informationen

Statistisches Bundesamt: Daten zu Anbauflächen und Erträgen ausgewählter Kulturen in Deutschland

Deutsches Maiskommitee: Karten zum Maisanbau


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