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Was ist drin, wenn Weidemilch draufsteht?

Die sogenannte "Weidemilch" stammt von Kühen, die mindestens an 120 Tagen im Jahr auf der Weide grasen dürfen.

Gruppe von Milchkühen
Quelle: Edler von Rabenstein - stock.adobe.com

Auf Milchverpackungen sind grasende Kühe weit verbreitet. Doch die Realität sieht häufig anders aus. Die Milchviehhaltung verlagert sich immer stärker von der Weide in den Stall. Gerade in größeren Betrieben kommt nur noch jede dritte Kuh regelmäßig auf die Weide, im Durchschnitt etwa ein halbes Jahr lang. Für einen Milchviehbetrieb ist die Weidehaltung nicht nur aufwändiger - etwa wegen des Melkens oder der Zaunpflege. Kühe, die auf der Weide unterwegs sind, geben auch weniger Milch.

Auf der anderen Seite sind weidende Kühe als Marketinginstrument ja gerade deshalb so beliebt, weil darin Verbraucherwartungen zum Ausdruck kommen. So gehören laut einer Studie der Universität Göttingen für rund 80 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher Kühe zumindest im Sommer auf die Weide. Kein Wunder also, dass Weidemilch immer beliebter wird und eine wachsende Zahl an Molkereien versucht, ihre Milch entsprechend zu vermarkten.

Und das durchaus mit Erfolg. Der Marktanteil für Weidemilch liegt in Dänemark bei rund 20 Prozent. In den Niederlanden stehen beinahe 80 Prozent der Kühe auf der Weide.

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Sie wollen wissen, woher die Milch kommt? Was das Besondere an Milchkühen ist und wie sie in Deutschland leben? In zwölf Fragen und Antworten bringt das kleine Heft leicht verständlich und informativ scheinbar Alltägliches, aber auch Überraschendes zu Tage.

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Weidemilch oder Heumilch?

Heumilch unterscheidet sich hinsichtlich der Fütterung von herkömmlicher Milch, bei Weidemilch gilt dies für die Haltung. Heumilch stammt von Kühen, die nicht mit Silage, sondern mit frischem Grünlandfutter, Heu und Getreide gefüttert wurden. Die Bezeichnung "Heumilch" ist seit März 2016 EU-weit rechtlich geschützt. Heumilch wird mit dem EU-Zeichen "garantiert traditionelle Spezialität" (g. t. S.) gekennzeichnet, dafür müssen Produzentinnen und Produzenten gewisse Produktionsstandards erfüllen, die vor allem zur silofreien Fütterung der Milchkühe konkrete Vorgaben enthalten.

Was genau verbirgt sich hinter der Bezeichnung "Weidemilch"?

Die Bezeichnung "Weidemilch" ist in Deutschland  lebensmittelrechtlich nicht geregelt. Wie viel Zeit eine Kuh auf der Weide verbringen muss, ehe von Weidehaltung gesprochen werden kann, ist daher durchaus strittig und hat in Deutschland auch schon die Gerichte beschäftigt.

Mit dem Ergebnis, dass Milch von Kühen, die an mindestens 120 Tagen im Jahr mindestens sechs Stunden auf der Weide stehen, als Weidemilch vermarktet werden darf, sofern diese Kriterien auch auf der Packung angegeben sind. 

Während sich an dieser Mindestvorgabe zahlreiche Anbieter orientieren, sind die weiteren Kriterien häufig ganz unterschiedlich geregelt. Etwa die Frage, ob es für die Tierhaltung im Winter ebenfalls Vorgaben gibt, wie die Tiere abseits der Weide gefüttert werden, ob dabei auch auf gentechnisch veränderte Futtermittel zurückgegriffen werden darf und wer kontrolliert, ob diese Regeln tatsächlich eingehalten werden.

Mehr Transparenz durch Weidemilchlabel

Mehr Transparenz für Verbraucher können hier klar definierte Produktlabel schaffen. Vorreiter in Deutschland ist in dieser Hinsicht das 2017 gestartete Gütesiegel "Pro Weideland“, des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen e. V. Es basiert auf einem breiten Bündnis von Landwirtschafts-, Umwelt- und Tierschutzverbänden, Wissenschaft und Politik und ergänzt den oben erwähnten Standard von 120 Tagen mit je sechs Stunden Weideauslauf um folgende Kriterien:

  • Pro Kuh müssen 2.000 Quadratmeter Grünland (davon mind. 1.000 Quadratmeter Weidefläche) zur Verfügung stehen.
  • Die ganzjährige Bewegungsfreiheit der Tiere muss gewährleistet sein.
  • Die Kühe dürfen nur gentechnikfreies Futter erhalten.
  • Anbindehaltung wird nur geduldet, wenn die Beweidungsdauer auf 180 Tage á 6 Stunden erhöht wird.
  • Während der Stallsaison im Winter müssen die Kühe alle zwei Tage (mindestens 90 Mal) für mindestens eine Stunde Zugang zu einer Auslauffläche haben.

Die Einhaltung dieser Kriterien wird durch die Molkereien sowie externe Auditoren regelmäßig überprüft. Die teilnehmenden Molkereien müssen sich verpflichten, die Milch getrennt zu sammeln und zu verarbeiten. Es beteiligen sich inzwischen fünf Molkereien an Pro Weideland.

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Tierwohl - Was hat das mit mir zu tun?

Der Unterrichtsbaustein für die 7. - 9. Jahrgangsstufe bereitet das komplexe Thema Tierwohl für die Fächer Sozialkunde, Politik, Wirtschaft und Verbraucherbildung auf und nimmt dabei vor allem die Milchviehhaltung in den Blick.

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Lohnt sich Weidemilch auch für Landwirtinnen und Landwirte?

Seit 2017 ist entsprechend zertifizierte Weidemilch bei verschiedenen Supermärkten erhältlich. Mit dem Pro Weideland-Label verknüpft ist das Ziel, Betrieben die Weidemilch produzieren, zukünftig einen Aufschlag von fünf Cent pro Liter Milch zu zahlen.

Angaben von Pro Weideland zufolge ist dieses Ziel noch nicht erreicht. Aktuell werden zwischen 1 und 2,5 Cent je Liter bezahlt. Neben Weidemilch wird auch Weidekäse, Weidebutter und neuerdings auch Weide-Hackfleisch angeboten.

Das niederländische Weidemilch-Label

In den Niederlanden wurde schon 2007 ein Weidemilch-Label eingeführt. Dieses Label wird durch die "Stichting Weidegang" vergeben, seit 2016 auch an Weidemilch-Erzeugnisse, die im Ausland hergestellt werden. Das heißt, deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher können im Kühlregal neben dem deutschen Pro Weideland-Label auch das niederländische finden. 

Das niederländische Weidemilch-Label sieht ebenfalls an mindestens 120 Tagen im Jahr mindestens sechs Stunden Weideauslauf vor, macht aber zum Beispiel zur Bewegungsfreiheit oder zur gentechnikfreien Fütterung keine Vorgaben.


Weitere Informationen

PRO WEIDELAND

Stichting Weidegang

Verbraucherzentrale: Weidemilch – Produkte mit verbindlichem Tierschutz erkennen

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Milch – Vom Stall bis in die Küche


Milch

Die Milcherzeugung ist der wichtigste Betriebszweig der deutschen Landwirtschaft. 33,1 Millionen Tonnen Kuhmilch wurden 2019 hierzulande erzeugt.

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