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Ist Festmist umweltverträglicher als Gülle?

Landwirt mistet Stall
Quelle: Turi - stock.adobe.com

Frage von Günter Gern:

Ich würde vermuten, dass Festmist vom Misthaufen einen höheren Düngerwert hat als Gülle und gleichzeitig umweltverträglicher ist, weil er weniger Methan und CO2 freisetzt und eine geringere Nitratbelastung verursacht. Ist das tatsächlich so? Und falls ja: wieso bringen Sie dann nicht vermehrt Festmist statt Gülle aus?

Antwort von Christina Göhner:

Christina Göhner bewirtschaftet gemeinsam mit ihren Eltern einen Betrieb mit Ackerbau und Schweinemast im Kreis Gütersloh. Der Betrieb baut Weizen, Gerste, Raps, Kartoffeln und Zwiebeln an.
Quelle: Christina Göhner

Beginnen wir mit Ihrer zweiten Frage, die leicht zu beantworten ist: Es wird nicht mehr Festmist ausgebracht, weil weniger Tiere auf Einstreu als auf Spaltenboden stehen. Schweine, Bullen und Kühe werden zum Großteil in Ställen gehalten, die zumindest zum Teil mit Spaltenboden ausgelegt sind. Dort entsteht überwiegend Gülle.

Die erste Frage ist deutlich komplexer zu beantworten. Dazu möchte ich sagen, dass beim Ausbringen organischer Dünger vor allem Ammoniak (NH3) an die Luft abgegeben wird und Stickstoff als Nitrat (NO3-) in die unteren Bodenschichten sickert, wo die Wurzeln der Kulturpflanzen ihn nicht mehr aufnehmen. Von dort kann es in den Grundwasserkörper gelangen.

Ammoniak wird gebildet, sobald Urin und Kot in Kontakt kommen. Das ist sowohl bei Mist, als auch bei Gülle der Fall. Die Gefahr der Ausgasung bei der Ausbringung hängt nicht unbedingt von Flüssig- oder Festmist ab. Viel mehr achten Landwirte darauf, dass sie ihren Dünger nicht zur Mittagszeit oder in großer Hitze ausbringen. Denn Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen fördern die Bildung von Ammoniak. Optimal ist die Ausbringung bei bedecktem Wetter, hoher Luftfeuchte und mäßigen Temperaturen.

Einen Vorteil kann Festmist haben, denn Stroh bindet Feuchtigkeit. Und weniger Feuchtigkeit bedeutet weniger Potential zur Gasbildung. Doch Festmist ist nicht pauschal besser zu bewerten, als Gülle. Gerade Pferdemist enthält wenig Mist und viel Stroh. Ist von der abgeernteten Kultur viel Ernterest auf dem Feld verblieben, können die Bodenlebewesen das ganze Stroh nicht zersetzen, sodass es verrottet. Hier kann Gülle für den Abbau wichtige Nährstoffe und Feuchtigkeit bringen.

Die Umweltverträglichkeit lässt sich also nicht nur vom Aggregatzustand des Düngers ableiten, sondern von den Umständen der Ausbringung. Seit diesem Jahr ist bei Flüssigmist die Ablage auf oder in den Boden vorgeschrieben. Dass reduziert die Gasbildung. Festmist wird weiter mit dem Miststreuer durch Wurftechnik verteilt. Welche Mengen genau bei welchem organischen Dünger ausgasen, kann ich aber nicht abschätzen. Dazu müsste ich Versuchsergebnisse anfragen.

Der zweite Punkt ist die Nitratdeposition. Hier spielen die Speicherfähigkeit des Bodens und der Bedarf der Pflanze die größte Rolle. Nitrat wird immer dann in tiefere Bodenschichten ausgewaschen, wenn es weder in der Pflanze noch im Boden gehalten werden kann.

Landwirte planen die Düngergaben gezielt vorab, deshalb kommt der größte Teil der Nähstoffe auch in der Pflanze an. Doch für die Entwicklung der Pflanzenbestände spielt das Wetter eine wichtige Rolle. Hat der Landwirt mit einem Weizenertrag von neun Tonnen gerechnet, der Ertrag schrumpft aber wegen langer Trockenheit auf acht Tonnen, so ist überschüssiger Stickstoff im Boden. Jetzt gilt es, den Stickstoff in den oberen Bodenhorizonten zu halten, den die Pflanzen der Folgekultur durchwurzeln. Bis die nachfolgende Kultur einen so hohen Bewuchs hat, dass sie nennenswerte Mengen Stickstoff aufnimmt, vergeht aber einige Zeit.

In dieser Zeit spielt die Niederschlagsmenge eine wichtige Rolle. Einerseits hilft Regen, den Dünger zu lösen und in den Boden zu den Wurzeln der Kulturpflanze zu transportieren. Andererseits kann er Stickstoff auswaschen. Ob Nitrat ausgewaschen wird, hängt also nicht von der Art des Düngers ab, sondern vom Bedarf der Pflanzen und der Stickstoffsättigung im Boden.


Die Antworten werden vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) inhaltlich nicht verändert. Sie spiegeln die Meinung der befragten Landwirtinnen und Landwirte wider und nicht zwangsläufig die des BZL.