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Warum werden Obstbäume weiß angestrichen?

Baumstämme weiß anzustreichen, ist im Obstbau eine gängige Schutzmaßnahme. Ist das auch beim Obstbaum im eigenen Garten erforderlich?

Obstbäume mit einem weiß angestrichenen Stamm stehen auf einer Plantage
Weiß angestrichene Bäume auf einer Obstplantage.
Quelle: orestligetka via Adobe Stock

Weiß angestrichene Apfel-, Kirsch- oder Aprikosenbäumen sind im Obstbau ein gewohnter Anblick. Die Farbe soll die Bäume vor sogenannten Spannungsrissen schützen. Diese können im Winter bei starken Temperaturwechseln zwischen kalten Frostnächten und sehr sonnigen Tagen auftreten. Denn wird der von der Nacht noch kalte Stamm einseitig starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt, kommt es zu einem hohen Temperaturunterschied innerhalb des Rindengewebes.

Rinde und Holz dehnen sich dadurch unterschiedlich stark aus und die Rinde reißt längs auf – manchmal sogar mit einem hörbaren Knall. Die weiße Farbe verhindert eine zu starke Erwärmung des Baumstammes, indem sie einen Teil der Sonneneinstrahlung reflektiert.

Weißanstrich gegen Spannungsrisse und Sonnenbrand

Die Gefahr für solche Ereignisse ist gegen Ende des Winters ab Februar am höchsten, wenn die Bäume schon einen gewissen Saftdruck haben, sich also bereits Flüssigkeit im Stamm befindet, welche sich ausdehnen kann. Spannungsrissen treten allerdings vergleichsweise selten auf. Wenn doch, können die Schäden allerdings verheerend sein, denn die Selbstheilung eines solchen Risses kostet den Baum viel Zeit und Energie. Verletzungen der Rinde sind zudem Einfallstore für Insekten und Pilze.

Weil sich in den letzten heißen Sommern allerdings auch Sonnenbrandschäden gehäuft haben, sind ganzjährige Weißanstriche im gewerblichen Obstbau mittlerweile etabliert. Denn bereits Lufttemperaturen von 30 bis 35 Grad können in Kombination mit starker Sonneneinstrahlung zu Schäden im Baumgewebe führen.

Nahaufnahme eines senkrechten Risses in der Rinde eines jungen Apfelbaums
Spannungsriss bei einem jungen Apfelbaum
Quelle: Michael Clever, ESTEBURG, Obstbauzentrum Jork

Welche Bäume sind besonders gefährdet?

Generell sind junge Obstbäume mit einer noch fehlenden oder sehr dünnen Borke besonders empfindlich. Auch gelten Steinobstbäume wie Aprikose, Pflaume und Kirsche im Vergleich zu anderen Bäumen als gefährdeter für Frostrisse. Zudem spielt die Lage eine Rolle. Bäume, die auf einem Südhang stehen, sind naturgemäß stärkerer Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Wer im eigenen Garten also zum Beispiel einen jungen Aprikosenbaum auf einen Südhang gepflanzt hat, sollte über einen Weißanstrich nachdenken.

Welche Farbe für den Weißanstrich?

Im gewerblichen Obstbau werden meist Spezialfarben für den Weißanstrich genutzt, welche mehrere Jahre halten. Wer sich keine vergleichsweise teure Stammschutzfarbe kaufen möchte, kann sich eine einfache Kalkfarbe anrühren, welche jedoch einmal im Jahr erneuert werden muss.

Hierzu zehn Liter Wasser mit einem Liter Tapetenleim und 1,5 Kilogramm Düngekalk aus dem Baumarkt verrühren und auf den Stamm und die unteren Hauptäste auftragen. Positiver Nebeneffekt: Der nach und nach abgewaschene Kalk düngt zusätzlich den Boden. Wird der Farbe auch noch etwas Quarzsand hinzugefügt, bewirkt der Anstrich zudem einen gewissen Verbissschutz gegen Wild.

Letzte Aktualisierung: 10. Oktober 2023


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